Rotel Reiseblog

NAMIBIA hautnah – Luxusweib auf Rotel Tour

41 NAMIBIA 2008 Pentax 332

von Jutta Schobel

Der Avocado – Grapefruit- Apfel-Cocktail schmeckt köstlich. Ich liege relaxt im Day Spa Bereich des Kempinski Airport Hotels in München.
Gönne mir eine 90-minütige hawaiianische Lomi Lomi Nui Tempelmassage vor meinem fast 10-stündigen Flug mit Air Berlin direkt nach Windhoek/Namibia zu  meiner ersten Rotel Reise.

Alle meine Freunde und Bekannten schauten mich ein wenig skeptisch an, als ich ihnen erzählte, dass ich eine Rundfahrt im rollenden Hotel 4.100 km quer durch die namibische Wüste und die endlosen Savannenlandschaften inklusiv Etoscha Nationalpark gebucht habe. (…)
Oh je, wie werde ich die nächsten zwei Wochen überstehen? Ja ich wollte das wunderbare Land südlich des Äquators hautnah erleben, wollte dort sein, wo es noch keine Luxuslodges mit kaltem und warmem Duschwasser und Edelambiente gibt. Wollte Lagerfeuerromantik mit Damara Einheimischen unter einem funkelnden Himmelsfirmament und faszinierende Landschaften ursprünglich erleben. Mein Geographen-Entdeckerinstinkt dominierte über dem gewohnten First Class Lifestyle. Jedenfalls für die nächsten 14 Tage.

Und bereuen sollte ich meine kühne Entscheidung nicht, es wird meine beeindruckendste und erlebnisreichste Reise werden! Unvergesslich!
Es fing schon mit dem Packprozedere an. Drei Wochen räumte ich sorgfältig, ersteigerte bei Ebay ein Rotel Einzelkabinenmoskitonetz, dachte an Thermoskanne, Handtücher, Stirnleuchte und feuchtes, bereits in Portionen abgepacktes Toilettenpapier sowie die faltbare Dreitagetasche. Damit fing der Stress an. Direkt nach der Ankunft in Windhoek musste sie unter freiem Himmel, bei sengender Sonne und vielen krabbelnden Insekten gepackt werden. Warum hatte ich sie mir nicht schon zu Hause im Koffer vorbereitet, schoss es mir durch den Kopf, als ich verzweifelt noch immer vor mich hin räumte. Meine 32 Mitreisenden hatten ihr Gepäck bereits verstaut und saßen entspannt auf der Veranda beim ersten kühlen Drink. Rotelroutinier müsste man sein. Und das waren viele meiner Mitreisenden, die es bereits auf 16, 21 und sogar 25 Reisen rund um den Globus gebracht hatten. Ob in Peru, Feuerland, Tibet, Tasmanien, Japan …. dort überall hatten sie schon ihre Dreitagesausstattung organisiert. Von ihren spannenden, faszinierenden Reiseerlebnissen erzählen sie mir mit Begeisterung später.
In der Tat, ich hatte in der Umpackeile einige Hygieneartikel und Medikamente vergessen, sollte erst wieder nach langen 72 Stunden und endlosen 1.145 Kilometern im feuerroten Fahrtmobil an sie herankommen. Zum Glück gibt es freundliche und hilfsbereite Mitreisende, die gleich das Gewünschte parat haben, aushelfen können. Und in der Tat, Teamgeist, Mitverantwortung und Rücksicht ist in den nächsten gemeinsamen Rundreisetagen gefragt. Ob beim Aufbau des Schlafanhängers, Auswaschen des Kochgeschirrs, der Reparatur von Mikrofon- und Gasanlage….es gibt Spezialisten in der Gruppe. Hans aus Halle fährt seit 10 Jahren mit, ist auf seiner 16. Tour. Stolz zeigt er sein Fahrtenbuch mit rund 360 Tagen Reiseerfahrung quer durch alle Kontinente von Alaska über Mexiko, Südamerika, Kenia, Nordindien / Nepal bis nach Australien. Ich nenne ihn später Dr. Rotel, denn er hat das hochwichtige Schlüsselprivileg und darf im Anhänger die Ladeklappe öffnen. Dort stehen nach dem Ausladen von Tischen und Bänken die heißbegehrten Stromsteckerleisten für das Aufladen der Akkus bereit. Irgendwie klappt es immer, seine Geräte wieder startklar zu bekommen. Das war eine meiner größten Sorgen vor der Reise, für diese Reportage keine Fotos machen zu können. Hatte mir sogar zusätzlich extra eine mit Normalbatterien betriebene Digitalkamera gekauft. Wäre also gar nicht nötig gewesen, wie sich im Nachhinein herausstellt. Aber wer weiß das vorher? Sicher, ist sicher.
Auch die sperrige Thermoskanne wäre besser zu Hause geblieben. Sogar das Sortiment diverser Ohrstöpsel ist überflüssig.
Ich schlafe in meiner ersten Nacht 490 km südlich von Windhoek bei zirpenden Grillen, leicht raschelnden und sanft schnarchenden Mitreisen viel besser in meiner 0,7×0,7x 2 m³ großen Box mit Klappfenster als ich es mir in meinen kühnsten Überlegungen jemals vorgestellt hätte. Träume vom bizarren Köcherbaumwald, unendlichen Weiten und einem Firmament mit Myriaden Sternen und freue mich schon auf das Picknick in freier Natur direkt über dem tief eingeschnittenen Fish River Canyon, dem zweitgrößten der Welt! Ein Naturerlebnis fernab der Zivilisation. Wer hätte schon alles für 35 Personen im eigenen Reisemobil parat? Deshalb genieße ich den Begrüßungs-Sundowner mit Reiseleiter Berthold und den ein wenig fad schmeckenden Nudelsalat mit Wiener Würstchen von Fahrer und Küchenchef Hans, einem Pfundskerl aus dem Bayrischen Wald. Hier gibt es keine Bar, keine Restaurants mit Panoramarundblick und Ladysroom im geschützten Naturreservat.
Jeder Reiseteilnehmer hat seinen Beutel mit Plastikbrettchen, zwei Schalen, Tasse und Besteck samt Abtrockentuch am ersten Tag erhalten. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist es für mich schon, die beiden Heißwasserplastikschalen mit allen Mitreisenden zu teilen und mein Geschirr selbst zu säubern. Aber irgendwie klappt es, und die Gruppe sitzt wieder fröhlich und beschwingt im Reisegefährt mit 35 Koffern auf dem Dach und Schlaf-Koch-Anhänger hintendran. Ein Gefühl von Viehtransporter und Vagabundismus, Erlebnisgeist und Pionierinstinkt kommt in mir auf. Besonders wenn das funktionale, rote Reisemobil in nur zehn Metern Entfernung von der Küste in Lüderitz und Swakopmund geparkt werden kann, mit Wellenrauschen beim Einschlafen und erfrischender Meerbrise beim Morgenspaziergang mit blutrotem Sonnenaufgang. Das hat schon was! Die Sanitäreinrichtungen entsprechen zwar nicht immer ganz dem Hygienestandard des gepflegten Mitteleuropäers und müssen mit 240 Einheimischen auf dem städtischen Campingplatz geteilt werden. Wir überleben es und arrangieren uns. Sogar unter spektakulärer Felslandschaft der Spitzkoppe, dem Matterhorn Namibias, ohne Strom und Wasser fühlen wir uns prächtig und möchten eben dieses grandiose, hautnahe Naturerlebnis nicht missen. Wenn die Sonne tiefdunkelrot auf die gewaltigen Felsformationen scheint, und die Funken des Lagerfeuers später in lauer Tropennacht beim Amarulasong mit den Einheimischen verglimmen. Da kommen unendliche Romantikgefühle auf. So wie für M., der freundlichen Erzieherin aus B. und dem schnittigen Bundeswehroffizier K. aus H. – das erste Liebespaar der Reise. Zum Glück bieten viele Übernachtungsplätze die Möglichkeit, eine reetgedeckte Lodge für das Tête-à-tête fernab der Gruppe zu mieten. Traumhaft schön die Igowati Lodge in Khorixas, 300 km vom Etoscha Nationalpark entfernt.
Buntgemischt ist die Gruppe meiner Mitreisenden. Sie reicht vom Zahnarzt aus Ravensburg bis zum Heißwalzwerker aus Henningsdorf. Der Unternehmensberater aus Köln schläft in der Kabine neben der Hausfrau aus Nürnberg und unter dem Installateur aus Soest, das Schweinejungbauernehepaar aus dem Münsterland. Man arrangiert sich, ist ein Team. Etwa die Hälfte der Gruppe ist Rotel-Einsteiger, das Durchschnittsalter der Gruppe liegt daher auch niedriger als bei anderen Touren, sagt die sympathische Musiklehrerin aus Bergisch-Gladbach. Sie hat mit nun schon 68 Jahren ihre 21. Rotelreise hinter sich. Sie möchte erst dann nicht mehr mitfahren, wenn sie in der Nacht ihre enge Kabine zum Toilettengang verlassen muss. Das ist ein Wort. Sehr glücklich bin ich, als sie mich fragt, die wievielte Roteltour diese Reise für mich sei. Ich hätte mich so gut in die Gruppe integriert, besonders als ich für über 30 Personen zusammen mit Steffi, der Referendarin als Münster, Sahnegeschnetzeltes auf die aufklappbaren Biertische mit den Big-Five verzierten Baumwolltischdecken zaubere. Sechs Tage später gibt es von uns Kochladies unter dem Applaus aller Rindergoulasch Burgunderart zubereitet  auf zwei spartanischen Gasflammen in der ausklappbaren Anhängerkombüse. Die dritte Gasflamme wird für das Heizen des Spülabwaschwassers gebraucht.
Das Kompliment baut auf und weckt den Wunsch, bei einer weiteren Reise mit Rotel ein ebensolches Gruppengefühl erleben zu dürfen. Vielleicht demnächst einmal quer durch Feuerland, Neuseeland oder …..? Ich träume schon jetzt davon, als ich entspannt und relaxed in der Luxusbadewanne meiner Suite 3102 im feinen Kempinski Airport Hotel in München liege. Diese Übernachtung kostet rund ein Drittel meiner gesamten 16-tägigen Reise samt Flug, 4.100 Buskilometern, Reiseleitung und Halbpension. Finde beim Edelfrühstück auf frischen Bananenblättern präsentiert den köstlichen Avocado-Grapefruit–Apfel-Cocktail wieder, kann zwischen 30 Brot- und Gebäcksorten und sechs verschiedenen Milchprodukten und köstlich frischem Obst und eisgekühltem Sekt auswählen. Und Abspülen brauche ich meine über 20 Besteck- und Geschirrteile auch nicht. Welch ein unvorstellbarer Luxus nach diesem erlebnisreichen Naturexperiment mit dem rollenden Hotel, der genialen Erfindung von Georg Höltl, der 1950 mit Pilgereisen begann und heute weltweit über 3.500 Betten auf Rädern mit jährlich mehr als 600.000 Übernachtungen rund um den Globus ohne Einzelkabinen- und Saisonzuschlag organisiert.
Ich bleibe die Luxuslady und fahre bestimmt gerne noch einmal mit, um das Naturerlebnis in Neuseeland, Feuerland oder auf den Vulkanen von Costa Rica erleben zu können. (…).

 

7 KommentareHinterlassen Sie einen Kommentar

  • Hallo, ein sehr schöner Bericht. Habe selbst schon zwei Reisen mit Rotel (Kanada &Alaska) gemacht und bin gerade dabei die Namibia Reise meiner Bekannten schmackhaft zu machen. Hoffentlich klappt es bis 2017!!!

  • Hallo, ein toller Bericht. Hoffe auf ähnlich schöne Erlebnisse in Südafrika bei meiner 9. Rotelreise, die im Herbst geplant ist. Ähnlich empfand ich bei meiner 1. Reise, die mich nach Kanada-Alaska führte.

  • ja, habe das so ähnlich erlebt. Meine erste Rotel Tour 2013 nach Südafrika. Die erprobten Rotelianer fanden mich sehr mutig. Jetzt habe ich gerade (übermütig) eine erneute 30-tägige Rundreise durch Namibia und Südafrika gebucht.

  • Hallo Jutta,
    Beim Lesen Deines Berichtes hatte ich den Eindruck, als wäre ich direkt dabei! – Macht echt Lust, diese Reise selber zu machen!
    Danke, Jörg

  • Hallo Jutta,
    toller Bericht. Ich bin gerade dabei zu überlegen, ob so eine rotelreise fùr mich das richtige ist. Mein bevorzugtes Ziel ist dabei auch Namibia, oder vielleicht gleich die 30 Tage kombireise. Dein Bericht hat mich auf jeden Fall schon etwas sicherer gemacht, zumal ich kein luxusweib bin, schon oft mit dem Camper unterwegs war oder auch mit einem kleinen Segelboot über mehrere Wochen, aber mit 34 Leuten in einem “Zimmer” geschlafen habe ich denn doch noch nicht…. LG aus Hannover

Leave a Reply

Ihre Email Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert mit *